Alex' Blog

Personal playground of Alex Rubenbauer.

 

6 February 12

Es ist Zeit...

Elena Maar hat vor einigen Tagen ihr Blog geschlossen und diesen Abschiedsartikel geschrieben, den ich mit ihrer Erlaubnis hier gerne veröffentlichen möchte:

Ich habe sicher viel zu sagen. Aber das haben Andere auch, und genau das ist wohl das Problem. Alle reden, kaum einer hört noch zu, auch mir fällt es zunehmend schwer, aus meinen eigenen Gedanken auszubrechen und mich aufmerksam denen der Anderen zu widmen. Ich bin mir sicher, wenn wir wieder besser und vor allem weniger ich-bezogen zuhören könnten, dann müssten wir auch nicht mehr so viel reden und reden und reden..

Ich gehöre zu der, merkwürdiger Weise, seltenen Spezies von Menschen, die fast immer ohne Telefon aus dem Haus gehen. Ich brauche im Prinzip gar kein Mobiltelefon. Wenn es nach mir ginge, bräuchte ich auch kein Festnetz-Telefon. Ich hasse es regelrecht zu telefonieren. Jede kleine Pause im Gespräch, die oft so wichtigen Pausen, die ein verabeitendes Denken erst möglich machen, müssen durch Geschwafel gefüllt werden. „Man kann sich ja schließlich nicht anschweigen“ und da man weder Mimik noch Körperhaltung des „Gegenübers“ wahrnehmen kann, ist es niemals eine zufriedenstellende Kommunikation, bestenfalls ein Medium um schnell Informationen auszutauschen. Leider beobachte ich das auch immer mehr in direkten Kommunikation – Schweigen wird als unangenehm empfunden.

Schnell Informationen austauschen, das machen wir inzwischen nur noch. Ich nehme an keinem (a)sozialen Netzwerk mehr teil und selbst das E-Mail-Schreiben beginnt mich abzustoßen. Ich will nicht mehr kommunizieren müssen, nur weil es so einfach ist – und schon gar nicht schnell.

Ja, ich habe etwas zu sagen, und tue das in diesem Blog – schnell meine Gedanken formuliert, wie in diesem Augenblick auch. Gesendet in die Anonymität, dem Leser dennoch aufgezwungen, da er oder sie ja nicht mit mir kommunizieren – sie können bestenfalls kommentieren, nicht 1:1 reagieren. „Papier ist geduldig“, geht mir durch den Kopf. Nein, das ist es nicht!

Denn Papier muss sorgfältig behandelt werden. Ich denken sehr genau nach, was ich darauf unterbringen kann. Der Platz ist begrenzt, eine Löschtaste gibt es nicht. Die Rechtschreibung sollte ich beherrschen, Zeichensetzung auch. Meine Wortwahl muss genau bedacht werden und natürlich muss man es lesen können. Kein unleserliches Gekrakel, was sich nicht entscheiden kann, ob es sich und nach links oder nach rechts neigen soll.

Ich habe es verlernt, das Wesentliche von mir zu geben, leserlich zu schreiben und vor allem, nicht alles, was ich denke, der Öffentlichkeit mitteilen zu müssen. Manche Gedanken erübrigen sich, wenn man besser zuhört. Ich brauche diesen Blog nicht mehr.

Denken ist gut, aber wann haben wir eigentlich beschlossen, es ständig öffentlich zu tun? Ich schreibe jetzt wieder Tagebuch – ganz privat und schäme mich lieber im Stillen, was für dumme, halbgare Gedanken ich vielleicht noch ein Jahr zuvor hatte. Das verbessert zudem wieder meine Handschrift und zwingt mich sorgsamer mit meiner Muttersprache umzugehen. Seit ein paar Monaten liegt ganz wunderbares Briefpapier auf meinem Schreibtisch. Ich werde wieder Briefe schreiben, keine E-Mails (nur noch beruflich).

Dieses unangenehme Gefühl des „Getrieben seins“, dem Druck etwas schnell fertigzustellen, was ich seit einem Jahr beim Schreiben von Geschichten habe, muss ich abschütteln, indem ich langsamer werde, bedachter, aufmerksamer. Worte und Sätze müssen wieder etwas wert sein. Können sie das für mich sein, wenn ich sie mit einer Taste umgehend wieder auslöschen kann?

Nun, ja! Ich habe viel zu sagen. Zu viel!

Deswegen werde ich diesen Blog in Kürze schließen und beginnen wieder zuzuhören und hoffen, dass ich es bald schaffe nur noch das zu sagen, was tatsächlich von Bedeutung ist. Ich ziehe meine persönliche Notbremse und steige aus, aus dem immer schneller werdenden Zug der modernen Kommunikation, in der jede noch so wichtige Botschaft niemals dort empfangen werden kann, wo sie benötigt wird.

Ich gehe wieder zurück. Ich lerne lesen, schreiben und zuhören.

So long … wir sehen uns also im Bücherladen oder in der Bibliothek, wenn das Schicksal es so will. ;-)