Personal playground of Alex Rubenbauer.
20 February 09
Immer wieder werde ich gefragt, was denn die eigentliche Ursache der Wirtschaftskrise ist, und ich bin zu dem Ergebnis gekommen, dass die tatsächliche Ursache der gegenwärtigen Wirtschaftskrise nicht die Immobilienkrise und auch nicht die dadurch entstandene Bankenkrise ist, denn auch die Immobilienkrise hat eine Ursache – und hier muss man ansetzen.
War es die Gier der Banker? Waren es die Manager? War es die Dummheit der Anleger?
Nein, denn das alles sind nur Symptome für ein viel tiefer liegendes Krebsgeschwür, das selbst von “renommierten Ökonomen” als eine solch unantastbare Selbstverständlichkeit akzeptiert wird, dass man es schon gar nicht mehr sieht, denn:
“Unsichtbar wird der Wahnsinn, wenn er genügend große Ausmaße angenommen hat.” (Bertolt Brecht)
Politiker sagen nun, das “Experiment Kapitalismus” sei gescheitert. In Wahrheit ist das “Experiment Papiergeld” gescheitert.
Politiker sagen nun, die “freie Marktwirtschaft” sei gescheitert. In Wahrheit haben wir keine freie Marktwirtschaft, solange es Subventionen und andere marktverzerrende Eingriffe des Staates in die Wirtschaft gibt.
Politiker sagen nun, die Selbstreinigungskräfte des Marktes seien aufgrund der Erfahrungen der jüngsten Vergangenheit ein Märchen und würden nicht funktionieren.
In Wahrheit gibt es dort, wo der Auslöser der Misere sitzt, gar keinen freien Markt, der Angebot und Nachfrage ausgleicht.
Was ist also der wahre Auslöser der Wirtschaftskrise?
Politiker und Medien behaupten, die Ursache sei darin zu sehen, dass man die Märkte nicht beaufsichtigt, und vor allem nicht ausreichend kontrolliert hätte.
Dabei vergessen sie, dass es sich hierbei mitnichten um eine freie Marktwirtschaft gehandelt hat, bzw. noch immer handelt.
Eine freie Marktwirtschaft setzt zwingend voraus, dass der Markt in allen (!) Bereichen durch Angebot und Nachfrage bestimmt wird; ohne Eingriffe des Staates und ohne daraus entstehende Verzerrungen.
Nun ist es so, dass wir im Großen und Ganzen zwar schon einen relativ freien Markt haben. Wir haben im Grunde auch einen Kapitalismus, wenngleich einen verzerrten und durch einen übermäßig großen Staatsapparat abgeschwächten, der unter anderem durch Subventionen den natürlichen Ausgleich von Angebot und Nachfrage stört.
Ausgerechnet im wichtigsten Markt überhaupt – dem Geldmarkt – findet kein natürlicher Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage statt, denn der Leitzins wird sozusagen diktatorisch von der Regierung in Form der Zentralbanken festgelegt.
Der Leitzins ist der Zinssatz, zu dem sich die Geschäftsbanken von der Zentralbank Geld leihen, um dieses dann wiederum in Form von Krediten in Umlauf zu bringen.
In Amerika haben wir gesehen, wozu dann beispielsweise zu niedrige Zinssätze führen (marktverzerrender Eingriff Nr. 1):
Die Kredite waren lächerlich günstig, wodurch jeder Geringverdiener einen Kredit für ein für seine Verhältnisse viel zu teures Haus aufnehmen konnte.
Durch die dadurch entstehende enorme Nachfrage schossen die Immobilienpreise durch die Decke, was wiederum weitere Kreditnehmer angelockt hat, die sich dachten: “Gut, selbst wenn ich eines Tages meinen Kredit nicht mehr bezahlen kann, steigt mein Haus ja ständig im Wert; ich kann also mein Haus immer mit Gewinn verkaufen.”
Davon gingen scheinbar nicht nur die Kreditnehmer, sondern auch die Banken aus.
Dieses Spiel fand dann sein jähes Ende, als die Zentralbank den Leitzins plötzlich massiv erhöht hat (marktverzerrender Eingriff Nr. 2).
Dadurch konnten die Kreditnehmer ihre durch die Zinserhöhung gestiegenen Kreditraten nicht mehr bezahlen und mussten aus den Häusern raus, was wiederum eine riesige Verkaufswelle in Gang setzte, die die Preise zu Boden riss (Angebot höher als Nachfrage).
Würde der Zinssatz in einer solchen Situation von vornherein vom Markt festgelegt, hätten sich die Leitzinsen extrem schnell der enormen Nachfrage angepasst. Der Zins wäre gestiegen und so wäre es für die, die sich so ein Haus gar nicht hätten leisten können, nicht mehr attraktiv oder gar unmöglich gewesen, einen Kredit aufzunehmen.
So wäre dieser Zusammenbruch von vornherein im Keim erstickt worden, denn in einem aus Angebot und Nachfrage gebildeten Zinssatz wäre eine solche “Risikoprämie” bereits enthalten.
Kern des Problems ist also nicht der “zu freie Markt”, sondern der eben nicht freie Markt, solange es Zentralbanken gibt, die den Leitzins diktatorisch festlegen, ohne den Markt ein natürliches Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage bilden zu lassen.
Nur dadurch, dass sie eingreifen und den Leitzins nach Gutdünken frei bestimmen und manipulieren können, und somit kein Ausgleich zwischen realem Angebot und realer Nachfrage stattfindet, kommt es zu solchen unausgeglichenen Verhältnissen.
Wenn Sie das begriffen haben, wissen Sie mehr als 99 Prozent der Bevölkerung und mehr als 90 Prozent der Ökonomen.